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Social Media

Als Yahoo Google kaufen wollte

 Mai 12, 2021

By  Stephan Ilg

Die Yahoo Suchmaschine – wer kennt sie nicht? Aber wer benutzt sie? Diese Menschen sind mittlerweile schwer zu finden...Doch was ist mit Yahoo passiert? War es doch zu Beginn des 21. Jahrhunderts lange Zeit die meist betuchteste Website der Welt? In diesem Artikel möchten wir ein wenig hinter die Kulissen gucken, wie auch erfolgreiche Internetkonzerne scheitern können. Die Yahoo Suchmaschine ist wohl eines der besten Beispiele dafür.

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1. Wie immer fing alles in einer Garage an

Naja, noch nicht ganz – zuerst fing alles mit zwei Studenten an. Jerry Yang und David Filo waren gerade daran, ihre Doktorarbeit in Elektrotechnik an der Stanford Universität zu schreiben, als sich plötzlich ihr Professor entschied, ein Sabbatjahr in Japan einzulegen. Yang und Filo sollten in der Zeit eigentlich an ihrer Doktorarbeit weiterschreiben, als einer der beiden auf die Idee kam, das Internet zu sortieren. 

1994 war das Internet noch tief in den Kinderschuhen und für Laien war es durchaus schwierig, die Websites zu finden, die sie suchten. Denn so etwas wie eine Suchmaschine gab es noch nicht und war ein Fremdwort für Internetnutzer. Jeder Internetnutzer musste also wissen, auf welche Website er wollte. Es gab keine Ordnung und kein Überblick über die Ansammlung an Websites. Das machte das Surfen mühselig und beschwerlich, war es zuvor noch dem Militär und Bildungseinrichtungen vorbehalten gewesen. 

 Wie kamen die beiden aber darauf, das Internet zu sortieren? 

Ursprünglich wollten sich Yang und Filo einen Wettbewerbsvorteil für ein Basketballspiel verschaffen, indem sie verschiedene Sport- und Nachrichtenwebsites organisierten und eine Liste zusammenstellten. So konnten Sie die Nachrichten noch bekommen, bevor ihre Gegner das Spiel in der Tageszeitung am Tag darauf analysieren konnten. 

Was sich erst einmal anhört wie eine verrückte Idee, wurde dann um mehrere Websites in verschiedenen Themenbereichen erweitert, die in Unterkategorien gegliedert waren. Auch wenn der Nutzen für das Basketballspiel nicht besonders groß war, fingen andere an "Jerry and David's Guide to the World Wide Web“ zu benutzen. 

Yang und Filo mieteten jetzt endlich einen Trailer bei der Stanford Universität an. Sie hatten dort ihre Computer und einen Schlafsack, in dem der eine oder andere abwechselnd ein Nickerchen machen konnte. 


2. Yahoo hebt ab 

Aufgrund der zunehmenden Beliebtheit und steigender Besucherzahlen nannten Yang und Filo die Website wenige Monate später in „Yahoo!“ um und registrierten ungefähr ein Jahr nach der ursprünglichen Veröffentlichung die Domain yahoo.com. 

Als kleiner Vergleich - so etwas ist heute kaum noch vorstellbar: einen guten Namen mit einer verfügbaren Domain zu finden und diese erst ein Jahr danach zu registrieren. Was für Zeiten... 

Mit Yahoo konnten allerdings auch unerfahrene Benutzer sich leicht durch eine Liste von Kategorien klicken und auf die Websites kommen, die Ihnen weiterhalfen. Da das ein dringendes Bedürfnis vieler Internetnutzer war, explodierten die Aufrufzahlen und Yang und Filo mussten aus ihrem Trailer bei der Stanford Universität in ein externes Büro ausziehen. 

Auch zu diesem Zeitpunkt mussten sich die beiden entscheiden: weiter an ihrer Doktorarbeit schreiben und Yahoo verkaufen oder das Unternehmen extern zu finanzieren. Selbst wenn Yahoo zu dem Zeitpunkt noch keine Einnahmen generierte, entschieden sich die beiden dafür, sich auf das Unternehmen zu konzentrieren. 

Denn beide wollten schon immer stärker in Richtung Unternehmertum gehen, wie sie später in einem Interview preisgaben. 

Als ihr Professor dann aus dem Sabbatjahr zurück kam und sah, dass nicht viel an der Doktorarbeit geschehen war, dafür aber sich Yahoo stark entwickelte, war die Entscheidung klar. 

Doch die Finanziers hatten zuerst ein paar Bedenken. Yahoo generierte keine Einnahmen und der Trailer, in dem die beiden bisher arbeiteten und irgendwie auch wohnten, sah wie eine Mülldeponie aus. Leere Pizzakartons auf dem Boden, warme stickige Luft durch die laufenden Server und eine schreckliche Unordnung. 

Dennoch entschieden sich die Investoren, welche auch schon Apple und einige andere bekannte Technologieunternehmen finanziert hatten, auch einen niedrigen siebenstelligen Betrag in Yahoo zu stecken. 

Wie sich hinterher herausstellte, war dies eine sehr profitable Investition. 


3. Werbung im Internet? Eine verrückte Idee... 

Kurz vor der Jahrtausendwende wurde das Thema Internetethik immer populärer. Viele sahen das Internet als ein Raum der Freiheit an und es gab starke Abneigung gegenüber dem Schalten von Werbeanzeigen auf Websites. So hatte auch Yahoo erst Bedenken, auf der eigenen Website Werbeanzeigen zu schalten. Da aber die Investoren drängten und irgendwie wieder Geld reinkommen musste, entschieden sie sich schlussendlich doch dafür, Werbeanzeigen zu schalten. 

Was heute absurd und auch ein bisschen komisch klingt, stand Yahoo nach einer langen Zitterpartie schlussendlich durch. Die Befürchtungen, das durch Werbung die Nutzerzahlen sinken würden, erwies sich als falsch. 
 

Ganz im Gegenteil: Die Nutzerzahlen stiegen weiter in die Höhe und Yahoo war eines der ersten Unternehmen, welches erfolgreiche Werbeanzeigen auf der eigenen Seite hatte.  Das war eine Revolution, denn vorher hatten nur die wenigsten daran geglaubt, dass sich das Internet monetarisieren lässt. Heute klingt auch dieser Gedanke nach einem verrückten Hirngespinst. Seitdem stiegen die Umsätze, die durchs Internet erzielt wurden, stetig. 


4. Der Dotcom-Crash 

Als nun auch andere erkannten, dass das Internet zu einer echten Goldgrube werden konnte, schossen unzählige verschiedene Startups im IT-Bereich aus dem Boden, mit dem Gedanken, die Welt zu verändern. Auch Yahoo war schon seit einiger Zeit an der Börse und hatte bisher ein phänomenales Kurswachstum zu verzeichnen. Auch die Werte anderer Unternehmen stiegen, denn die Leute hatten alle das gleiche im Kopf: 

„Wenn sich die Welt verändert und ich jetzt nicht investiere ... werde ich das in 30 Jahren zutiefst bereuen. Was würden meine Kinder sagen, würde ich diese Chance ziehen lassen?“ 

Also entwickelte sich ein Hype um alle Unternehmen die nur ein „.com“ am Ende hatten. Wie wir heute wissen, wurde das Ganze zur Dotcom-Blase Anfang des 21. Jahrhunderts. Viele Konkurrenten von Yahoo verschwanden in dieser Zeit gänzlich oder mussten schwere Verluste verzeichnen. Auch Yahoo selbst hatte nicht viel zu lachen. 

Der Aktienkurs von Yahoo, der einst über 100 Dollar pro Aktie lag, sank im Dotcom-Crash auf unter fünf Dollar pro Aktie. So entschied sich Yahoo einen neuen CEO einzustellen. 

Terry Semel sollte frischen Wind in die Segel blasen. Der Mann, der vorher noch Geschäftsführer bei Warner Bros. war und in der Filmindustrie große Erfolge verzeichnen konnte, sollte jetzt auch Yahoo wieder zum Erfolg führen. 


5. Die Yahoo Suchmaschine 

Dabei wurde Semel das erste Problem schnell klar: Mehr und mehr Leute nutzten die neue Suchmaschine von Google. Yahoo war zwar deutlich größer, der Trend war aber offensichtlich. Nutzer, die das Internet nach Kategorien auf Yahoo durchsuchten, wurden immer weniger, während die Google Suche, in der man einfach nur ein paar Wörter eingeben musste, revolutionär war. 

So setzte Semel sich das Ziel, diesen Markt zu erobern. Er machte Google ein Angebot, sie für 3 Milliarden Dollar zu kaufen. Die beiden Gründer von Google, Larry Page und Sergey Brin hielten das allerdings für etwas zu wenig. Sie wussten, dass sie am längeren Hebel saßen und machten ein Gegenangebot von 5 Milliarden Dollar. Zum damaligen Zeitpunkt hatte Yahoo auch nur noch eine Marktkapitalisierung von 5 Milliarden Dollar. 

Das bedeutete, dass Yahoo nicht wirklich Google kaufen würde, sondern viel mehr, dass sich beide Unternehmen zusammenschließen würden. Für den erfahrenen Verhandler Semel war das natürlich keine Option. Er lehnte das Angebot ab und entschied sich dafür, Googles größten Konkurrenten zu kaufen, zum damaligen Zeitpunkt war das Inktomi. Auch Inktomi hatte durch den Dotcom-Crash deutlich an Wert verloren. Hatte das Unternehmen vorher noch einen Wert im zweistelligen Milliardenbereich, so kaufte es Yahoo für schlappe 250 Millionen Dollar. 

Allerdings hatte Inktomi noch keine Erfahrungen mit dem Schalten von Werbung und so musste Semel auch noch das Unternehmen kaufen, welches ursprünglich bezahlte Werbung über Suchergebnissen erfunden hatte: goto.com. Um das alles erfolgreich zusammenzubringen und mit der Google Suche mithalten zu können, brauchte Yahoo allerdings zwei Jahre. Das war deutlich zu lange, Google war bereits meilenweit voraus und Yahoo konnte auch in den folgenden Jahren Google nicht mehr einholen. 


6. Keine echte Kernkompetenz 

So erging es Yahoo auch in anderen Bereichen. Denn Yahoo hatte keine echten Kernkompetenzen. Klar, alle Internetseiten zu sortieren und verschiedene Services im Bereich Sport, Nachrichten, Finanzen, etc. anzubieten, aber das war einfach nicht genug. 

Yahoo hatte sogar bereits einen Nachrichtendienst, doch auch das nutzte am Ende alles nichts. In jeder Nische entstanden Unternehmen, die ist besser machten als Yahoo. Facebook mit Social Media, Google mit der Suche von Websites und andere Seiten, die nach und nach Nutzer von Yahoos Services abfingen. 

In 2008, als sich diese Entwicklung langsam abzeichnete, machte allerdings Microsoft Yahoo ein Angebot. Microsoft wollte Yahoo zum damaligen Wert von ca. 50 Milliarden $ kaufen. Yahoo allerdings lehnte das Angebot ab, da sie der Meinung waren, das eigene Unternehmen sei mehr wert. 

In den darauffolgenden Jahren stellte sich allerdings genau das Gegenteil heraus. Bis 2008 noch waren die Umsätze stetig gestiegen, nun allerdings fingen sie an zu bröckeln. Auch der Marktwert von Yahoo nahm in folgenden Jahren stetig ab. 

Yahoo ging durch schwierige Zeiten und wechselte in diesem kurzen Zeitraum mehrfach den Geschäftsführer. Um genau zu sein von 2007-2012 sechsmal. 

Auch einige Investoren wurden nervös und zogen Investitionen zurück, was die Situation weiter zuspitzte. Der zusätzliche Wechsel in der Führung half Yahoo nicht weiter, ganz im Gegenteil, die instabile Führung des Konzerns sorgte zusätzlich für eine Destabilisierung. 

Und so nahm der Teufelskreis seinen Lauf.
Schlussendlich wurde Yahoo 2017 für weniger als 5 Milliarden Dollar an Verizon Media verkauft. Auch wenn Yahoo über die Jahre über 100 Unternehmen gekauft hatte, ist keines davon richtig erfolgreich geworden und Yahoo schlussendlich auch gescheitert. Heute sind davon vielleicht noch Tumblr und Flickr bekannt. 


7. Die Entscheidung macht den Unterschied 

Fehlentscheidungen werden immer wieder getroffen und das Internet ist sehr schnelllebig. Welche bekannten Größen von heute es auch noch in 20 Jahren geben wird?
Wir werden sehen... 

Stephan Ilg


Stephan ist SEO-Enthusiast, Diplomjurist und Unternehmer.

Neben seiner Arbeit als Co-Founder des Startups Backpackertrail und SEO-Brain hinter Werbepresse ist er Dozent für E-Commerce sowie Medienrecht an der Hochschule Fresenius. Seine Arbeitssprachen sind Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch und Portugiesisch.

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